Jung von Matt/Spree, die bekannte Werbeagentur und Telenet gehören zu den Gewinnern des International Advertising Festivals in Cannes. Das schafften sie mit dem besonders gelungenen und interaktiven Horrorfilm "The Last Call". Der kam nämlich heraus nachdem die Berliner Kreativ-Agentur und der Münchner Spezialist für Sprachverarbeitung sich zusammentaten und damit gleich fünf Löwen, darunter zwei goldene in den Kategorien "Film" und "Best Use of other Digital Media in a Promotional Campaign" gewannen. Entwickelt wurde dieses interaktive Filmkonzept exklusiv für den Sender 13TH Street, der geraden dem jungen Publikum einen neuen Reiz bieten wollte. Herausgekomme ist ein Trailer, der über die Genregrenze Horror hinaus geht und einfach ins Kino gehört. Aber vielleicht kommt da ja auch irgendwann ins Fernsehen - wer weiß.
Was passiert? Ein junges Frau gerät in Gefahr und flieht vor einem Mörder. Dabei findet sie ein Handy. Über dieses Handy tritt sie mit dem Publikum in Kontakt und fragt nach Hilfe. Die Anweisungen aus dem Publikum steuern das Geschehen und es modifiziert sich entsprechend der Aussagen, die gemacht worden sind.
Wie das ganze funktioniert? Wer mitmachen möchte, muss sich vor dem Film per SMS anmelden. Damit hat sich der Zuschauer für den Film "qualifiziert" und zur Teilnahme bereit erklärt. Über diese Handynummer wird der Kinozuschauer von der Hauptdarstellerin oder dem Hauptdarsteller angerufen und gerät somit direkt in das Geschehen eines Films.
So weit so gut! Dahinter steckt aber eine Menge Technik, die durch moderne Sprachsteuerungssoftware von Telenet macht die Umsetzung möglich. Die Anwendung Telenet Voice& Web deligiert mittels Telefonie, Spracherkennung und Sprachsteuerung den Dialog zwischen Zuschauer und Darsteller. Die jeweiligen Antworten der Zuschauer lösen jeweils einen anderen Verlauf der Handlung aus. Dafür mussten natürlich die eventuellen Szenarien vorher aufgenommen werden - und zwar ALLE.
Das erinnert ein wenig an das Improvisationstheater, in dem die Zuschauer auch in die Handlung mit eingebunden werden und die Schauspieler auf die Vorgaben entsprechend reagieren müssen. Das ist durchaus lustig. Im Kino kann ich mir das auch gut vorstellen, aber muss es unbedingt das Horrorgenre sein? Noch mehr interaktive Gewalt? Es hätte auch ruhig ein anderes Genre sein können. Aber ansonsten eine gelungene Idee und nicht umsonst haben sie bei diesem Festival die Preise abgeräumt. Dafür haben sie auch am meisten investiert, wie kürzlich verkündet wurde.
Das Konzept insgesamt könnte echt Zukunft haben, vielleicht sogar mehr als 3D. Und das interaktive Kino lässt sich durch kein Filesharing ersetzen. Wie findet ihr das?













